THE RATLINE – GEFLOHENEN NAZIS AUF DER SPUR

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Für zockende Detektive ist gerade The Ratline von Owlskip Games veröffentlicht worden. Es versetzt uns in das Jahr 1971 und greift ein ernstes Thema aus der realen Welt auf. Im Mittelpunkt steht nämlich die Verfolgung von über die „Rattenlinie“ geflohenen Nazis. Seht hier den Trailer:

Die Story beginnt mit einem ermordeten Priester in Budapest. Dieses trägt eine Liste bei sich, die Namen von über die sogenannte Rattenlinie geflüchteten Kriegsverbrechern aus der Zeit des Nationalsozialismus enthält. Spieltechnisch leisten wir die übliche Detektivarbeit in verschiedenen Ländern, wühlen uns durch Dokumente und kommen der Wahrheit mit Hilfsmitteln wie Telefon und Audiorekorder Stück für Stück auf die Spur.

Mit „Rattenlinien“ werden die geheimen Fluchtrouten bezeichnet, über die Nazis nach 1945 aus Europa vor der Justiz der Besatzungsmächte flohen. Geprägt wurde der Begriff durch US‑amerikanische Geheimdienst- und Militärkreise, welche von den Netzwerken gewusst haben und sie selber im Rahmen des Kalten Krieges nutzten. Die Wege führten über Länder wie Spanien und Italien und hatten oft Länder Südamerikas wie Argentinien, Brasilien, Chile oder Paraguay als Ziel.

Erfolgreich zur Flucht nach Argentinien verhalf die Linie unter Anderen Josef Mengele sowie Adolf Eichmann, der 1960 vom Mossad entführt und in Israel verurteilt wurde. Weitere Beispiele sind der „Schlächter von Lyon“ Klaus Barbie (Bolivien), der Entwickler der mobilen Gaswagen Walter Rauff (Chile) und der Kommandant von Treblinka Franz Stangl (Syrien, Brasilien). Im Spiel jagen wir hingegen fiktive Nazis, wie die im Trailer zu sehenden „Schultz-Brüder“.

Dass die Geschichte von The Ratline mit einem toten Priester beginnt, ist kein Zufall, denn einige katholische Geistliche unterstützten die Flucht von Kriegsverbrechern aktiv, etwa durch Bereitstellung von Unterkünften. Bekannte Fälle waren beispielsweise der österreichische Bischof Alois Hudal und der kroatische Priester Krunoslav Draganović. Päpstliche Hilfsstellen beglaubigten die Identität der Flüchtlinge und beschafften Visa, während das Rote Kreuz Pässe organisierte. Teilweise wurden die Nazis bereitwillig in südamerikanischen Ländern aufgenommen, wie in Argentinien unter Perón.

Vom Roten Kreuz ausgestellter Ausweis im Rahmen einer Flucht durch die Rattenlinie.

Wer in Filmform in das Thema einsteigen will, hat z.B. mit dem Spielfilm The Boys from Brazil aus dem Jahr 1978 Gelegenheit dazu. Interessante Informationen zu dem Thema in Form einer Doku gibt es mit ORF kreuz und quer: Die Rattenlinie.

Quelle: Steam, Bild: Trailer und WikiCommons


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